Zum Vorwurf der Verharmlosung (II): Minderheiten-Quartett

Ein durchaus bekannter Vorwurf in diesem Zusammenhang ist die Verharmlosung von Nazis. Das liegt wohl in der Natur der Sache, nette Dinge lassen sich nämlich gar nicht verharmlosen, sie sind harmlos. Kaninchen zum Beispiel.
Wie im ersten Teil bereits beschrieben, bezieht sich der Vorwurf (A) auf die Darstellung eines bestimmten Gegenstandes. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Minderheiten-Quartett, veröffentlicht durch “ZEITSCHRIFT – das Magazin”.

Zunächst vielleicht ein mal ein paar Worte zum Quartett selbst: Der Vergleich ist mir zwar vor kurzem erst in den Sinn gekommen, aber letztlich ist das Quartett so was ähnliches, wie das “Wörterbuch der Gemeinplätze” von Gustave Flaubert – es dokumentiert offensichtlichen Humbug, genauer Bullshit, in gängigen Diskursen.

Das Quartett ist eine Dokumentation von Vorurteilen einerseits und andererseits aber eben die satirische Anklage, dass gewisse Leute innerhalb von z.B. der Bundesregierung genau mit solchen Bildern arbeiten. So geschehen bei der Debatte im April in einem Rechtsausschuss zur Diskussion um die Erweiterung des Artikel 3 Zusatzartikel 3 um “sexuelle Identität”. Da wurde von einem gewissen Dr. Winfried Kluth schließlich auch argumentiert, die Aufnahme dieses Zusatzes würde die Integration der Muslime in Deutschland behindern. Das war auch der eigentliche Grund, warum das Spiel überhaupt entstanden ist – um das Ausspielen von Minderheiten aufzugreifen, welches zur Legitimation von politischen Zielen dient.

Entsprechend ist auch das öffentliche Auftreten des Quartetts, der vollständige Claim lautet zum Beispiel: “Juden, Nazis, Neger, Schwule – Spiel auch du sie gegeneinander aus!”

Genau diese Aufzählung hat allerdings für ziemlich viel Empörung gesorgt. Durch die Aufnahme der Berufsdiskriminierer in die Reihe der Minderheiten würde man diesen in die Hände spielen, da sie sich schließlich immer wieder gern selbst als eine entrechtete Minderheit stilisieren – so der Vorwurf in diesem Falle. Dagegen lässt sich allerdings ein Hinweis einwenden, nämlich der auf die eigentliche Darstellung der Nazis im Spiel:


Solche 90er Jahre Skinheads mit Baseballschlägern findet man mittlerweile freilich nirgends vor, der Style orientiert sich seit Ewigkeiten an anderen subkulturellen Erscheinungen. Die zugeschriebenen Eigenschaften bedienen sich auch dem gängigen Vorurteil: Nazis wären einfach dumm wie Brot. Damit macht man es sich aber etwas zu einfach. Nazis sind schließlich keine Erscheinung von mangelnder Intelligenz, es ist ja nun mal so, dass sie sich auch etwas dabei denken.

Die einzelne Nazikarte für sich betrachtet ließe also durchaus den Vorwurf (A) zu, da hier die eigentliche Gefahr an Nazis, nämlich ihre Ideologie, überhaupt nicht aufgegriffen wird. Betrachtet man diese aber neben den anderen Karten lässt sich feststellen, dass die gewählte Darstellung nur ein gängiges Bild aufgreift und es in Relation zu anderen Klischees setzt . Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Jedes Motiv spiegelt nur insofern die Realität wider, als dass es ein Abbild von tatsächlich vorhandenen Denk- und Argumenationsmustern ist. Damit leistet es einen Beitrag, um diese zu erkennen – und genau darin liegt doch der unschlagbare Vorteil, den Satire zur politischen Bildung beitragen kann. Es sollte nur nicht mit einer Veröffentlichung aus dem letztgenannten Sektor verwechselt werden.

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